Einleitung
Es fängt schlecht an. Ankunft kurz vor halb sechs morgens, Zoll, Einreise, irgendwas schief mit der eSIM, kein WLAN, kein Netz — und ein Flughafen in dem Land, in dem gefühlt jede App, jede Verbindung, jeder Schritt einen funktionierenden Internetzugang voraussetzt. Alles hängt an WeChat, an Alipay, an QR-Codes. Und wenn das nicht geht, geht erst mal nichts.
Zurück auf Papier. Ausgedruckte Adressen, handgeschriebene Notizen. Guter Rat für jeden, der nach China fährt: Vorbereitung offline mitbringen.
Was mich gerettet hat: ein Fahrer, den ich vorab für die Große Mauer gebucht hatte. Er wartete am Ausgang mit einem Schild, hatte ein mobiles WLAN-Gerät dabei — und damit wurde aus einem chaotischen Morgen doch noch ein guter Start. Todmüde, leicht benebelt nach dem Nachtflug, aber endlich verbunden. Der Rest ließ sich einrichten.
Mutianyu: Die Mauer fast für mich alleine
Der Abschnitt Mutianyu liegt etwa anderthalb Stunden nördlich von Peking. Wir fuhren früh, und das war die beste Entscheidung. Mitte März, immer noch Winter, kaum Besucher.
Die Mauer ist grau. Die Berge dahinter sind grau. Die Bäume haben noch kein Laub, die Hänge kaum Farbe — nur hier und da ein zarter Hauch von beginnender Blüte, der erste Atemzug des Frühlings. Diese Farblosigkeit macht etwas mit dem Blick: Man sieht die Form, nur die Form. Die Mauer zieht sich den Bergrücken hinauf, taucht hinter einer Kuppe ab, erscheint auf der nächsten wieder — und auf der übernächsten sieht man wieder Wachtürme, und dahinter nochmal welche, bis zum Horizont.
Es ist eine der Erfahrungen, bei denen man merkt, dass man sich etwas vorgestellt hatte und dass die Realität das einfach überschreibt. Durch schiere Ausdehnung. Die Mauer geht nicht irgendwo hin. Sie geht einfach weiter.
An diesem Morgen hatte ich sie fast für mich allein.



Peking - Straßen, Kontraste, Kontrollen
Peking hat viele Schichten, und sie liegen direkt nebeneinander. Außen um die Verbotene Stadt die alten Hutong-Gassen - manche noch halb verfallen, bewohnt, lebendig. Direkt daneben: frisch sanierte Blöcke, Luxusautos hinter Schranken, gated communities. Wer dort aufgewachsen ist, wird sich das Wohnen dort bald nicht mehr leisten können. Das Muster kennt man, aber hier wirkt es besonders unverblümt.
Auf der Straße treffen elektrische Großlimousinen auf alte Dreiräder und klapprige Fahrräder. Beide gehören zum Stadtbild, noch.






Was mich am stärksten beschäftigt hat: die Überwachung. Auf dem Weg zur Verbotenen Stadt durchläuft man drei Polizeikontrollen, Ausweis, Gepäckkontrolle, Durchleuchten. Auf den Straßen Kameras in einer Dichte, die man kaum einschätzen kann. Uniformierte, gefühlt überall. Als Tourist fährt man noch relativ unkontrolliert durch - der Aufwand lohnt sich nicht. Aber für Chinesinnen und Chinesen ist dieser Raum ein anderer.





Tipps & Hinweise
- WLAN vorbereiten: eSIM funktioniert nicht immer; mobiles WLAN-Gerät leihen oder vorbuchen. Kein WLAN bedeutet in China: sehr eingeschränkte Handlungsfähigkeit.
- Fahrer für die Große Mauer: Lohnt sich, auch und besonders bei früher Ankunft oder müdem Start.
- Mutianyu früh und außerhalb der Saison: Im März war der Abschnitt fast leer. Im Sommer oder an chinesischen Feiertagen völlig anderes Erlebnis.
- Reisezeit: Mitte März ist noch winterkalt, aber die ersten Blüten beginnen. Kein Grün, aber klare Luft und wenig Betrieb.